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Ruhig, Brauner

Von Merdarion am 25. Januar 2016

Garetien

Kurz vor Burg Rudes Schild, 23. Tsa 1032BF
Der kalte Wind wehte Adhemar unaufhöhrlich entgegen und er musste sich regelmäßig mit den mittlerweile steif gefrorenen Handschuhen die Tränen aus dem Gesicht wischen, um noch etwas sehen zu können.
Als seine Sicht wieder etwas klarer wurde, lockerte sich seine grimmige Miene, denn sein Ziel war endlich erreicht: Burg Rudes Schild.
Der einstmalige Hort der Reichsinsignien und jetziger Sitz der Goldenen Lanze stand in voller Pracht auf dem Trullenrück und ließ Adhemar alleine beim Gedanken an den großen Kamin in der Versamlungshalle warm werden. 5 Jahre lang war dies sein Zuhause gewesen und er fragte sich, was sich in den Jahren nach seinem Ausscheiden alles verändert hatte. Hoffentlich war noch ein warmes Mahl und etwas heißes Met zu bekommen, die Verpflegung dürfte bereits stattgefunden haben, dachte er sich und gab dem Pferd die Sporen, um seine Chancen auf einen gefüllten Magen zu vergrößern.

Ein wenig später am Tor der Burg
„Adhemar von Rallerspfort, ich möchte zu Geron von Zweifels“, entgegnete er der Wache und wartete, bis sich das Ochsenbluter Tor öffnete. Langsam trabte er auf den Ratshof, stieg ab, ließ das Pferd entgegennehmen und marschierte dann zur Anmeldung am Burggrafentor. „Den Zwölfen zum Gruße Rekrut. Weibel außer Dienst Adhemar von Rallerspfort. Ich möchte zu Geron von Zweifels. Ohne Anmeldung“, meldete er in militärisch korrekten Ton. „Kommen Sie doch bitte herein, Herr von Rallerspfort, ich lasse nach ihm rufen. Wenn Sie so freundlich wären, Platz zu nehmen.“, bot der Rekrut mit einer einladenden Geste Adhemar einen Sessel an. Kurze Zeit später öffnete sich die Tür zur Wachstube und ein etwas durchgefrorener Soldat betrat das Zimmer.
„Adhemar! Welch Überraschung! Was tust du hier?“, rief Geron von Zweifels und schritt mit offenen Armen auf ihn zu. Nach einer kurzen, freundschaftlichen Umarmung, übernahm er den Gast und die beiden alten Freunde machten sich auf den Weg zu Gerons Stube.

Gerons Stube, Schwertfegerhaus (Garnison) der Burg Rudes Schild
„Es ist nicht viel, aber wenigstens noch warm. Und etwas heißes Met konnte ich auch noch besorgen. Für alles Andere müssen wir ins Gästehaus“, sagte Geron und stellte das Tablett mit der Mahlzeit auf den Tisch, nachdem er mit seinem Fuß die Tür hinter sich schloss. „Du bist wegen Graf Falber gekommen, nehme ich an? Du hast Glück, vor 2 Wochen wurde ihm noch der letzte Feinschliff verpasst. Ein prachtvolles Tier, eines Marschalls würdig. Ich muss gestehen, dass ich nicht widerstehen konnte, einen Ritt zu wagen. Ich hoffe doch, dich stört das nicht?“
Adhemar riss etwas von dem Brot ab, tunkte es in die Schüssel mit warmen Gulasch, biss ab und spülte mit Met nach. „Wo denkst du hin?“, fragte er verwundert, während er das Mahl mit Gewalt hinunterschlang, um seinen Mund schnellstmöglich nachzufüllen. Die Mahlzeiten waren während seiner Reise doch etwas dürftig ausgefallen, wollte er doch zeitig ankommen. „Du kannst dir nicht vorstellen, wie dankbar ich dir bin, dass du dich um Graf Falber gekümmert hast. Ich hätte ein Vermögen zahlen müssen, wenn ich es woanders hätte ausbilden lassen. Es gab doch keine Probleme, oder?“, erkundigte sich Adhemar bei seinem Freund und konnte es kaum erwarten, sein Pferd persönlich zu begutachten.

4 Kommentare

  1. Kommentar von Wulf
    Am 26. März 2016

    „Alles in bester Ordnung, mein Freund. Graf Falber hat sich prächtig entwickelt und uns keine Schwierigkeiten gemacht.“
    Geron schüttete sich aus der Karaffe ebenfalls etwas dampfenden Met in den irdenen Becher. „Wenn er sich auch im Einsatz bewehrt, käme er sogar für die Zucht in Frage. Er könnte dann eine Stute von uns decken.“

    Geron nahm einen weiteren Schluck Met und sein Blick wurde sorgenvoller. „Dennoch wünsche ich dir, dass du ihn nicht allzu oft im Ernstfall einsetzen musst. Was man aus der Wildermark hört ist schlimm. Selbst hier im Königreich Garetien geht es teilweise drunter und drüber“, sprach Geron.
    Dann senkte er seine Stimme etwas und sprach: „Die Lanze ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Wenn wir zum Schutze gerufen werden, dann werden wir von den Hilfesuchenden wie Söldner bezahlt. Aber was soll’s.“
    Den letzten Satz hatte er wieder lauter gesprochen. „Wir du bald wieder abreisen oder noch etwas bleiben? Der Tsa ist ja nicht gerade der angenehmste Reisemonat.“

  2. Kommentar von Merdarion
    Am 26. März 2016

    Die letzten Reste aus der Schüssel kratzend, beendete Adhemar sein Mahl und wischte sich mit dem Handrücken den Mund sauber. Ein lauter Rülpser stieß hervor und ließ ihn kurz die Manieren vergessen, die sich eigentlich für eine Person seines Standes geziemten. Hier war er kein Kriegsfürst, kein Adliger, kein Händler. Nur ein einfacher Soldat unter Kameraden und diesen Zustand genoß er, so lange er noch konnte.
    „Abreisen? Ich bin doch grade erst angekommen. Mein Arsch brennt, als wäre ich auf einem Nachtmahr geritten und bis sich meine Glieder wieder aufgewärmt haben, ist der Sommer vermutlich vorbei.“, witzelte er, wurde dann aber rasch wieder ernst. „Nein, Scherz beiseite. Ich wollte nicht nur Graf Falber abholen, sondern mich auch ein wenig mit dir unterhalten. Dabei richte ich mich ganz nach dir, sag mir wie deine Dienste liegen und wann es dir am besten passt, ein paar Tage kann ich sicherlich entbehren. Ich habe dir nämlich ein Angebot zu unterbreiten.“, ließ er im Raum stehen und hoffte, Gerons Interesse ein wenig wecken zu können.
    „Aber erstmal zeig mir mein Ross, solange die Praiosscheibe noch nicht untergegangen ist. Sonst platze ich noch vor Ungeduld.“

  3. Kommentar von Wulf
    Am 28. März 2016

    „Dann will ich dich nicht länger auf die Folter spannen. Lass uns zum guten Ross gehen“, sprach er mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Adhemar hatte ihn stets beeindruckt. Wenn es nötig war, beherrschte er durchaus den Umgang mit seinen höheren Standesgenossen. Dennoch mochten ihn auch die einfachen Männer, wenn er sich mit ihnen Umgab. Er konnte förmlich einer von ihnen werden. In all den Jahren hatte sich Adhemar allerdings wohl dieses Verhalten auch vor ihm – zwar kein von Rallerspfort aber immerhin ein von Zweifels – angewöhnt. Aber das war wohl seine Eigenart gegenüber Adligen, die er zu seinen Freunden zählen konnte. Oder war es vielleicht seine eigentliche Wesensart? Sein Lächeln wurde etwas breiter und eher ein Grinsen.

    Er trank seinen letzten Schluck Met, stand auf und bat Adhemar ihm zu folgen. Er brachte ihn zum Stall, in dem Graf Falber untergebracht war. Das Tier erkannte ihn und auch Adhemar, der immer wieder Zeit mit dem Tier verbracht hatte. Die Bindung zwischen Reiter und Ross musste früh und intensiv geknüpft werden, damit das Tier auch im wildesten Gefecht zu gebrauchen war. Er hatte ein gutes Auge für Pferde und an der Reaktion von Graf Falber, als Adhemar dessen Kopf tätschelte, erkannte er den Erfolg.

  4. Kommentar von Merdarion
    Am 28. März 2016

    Graf Falber begrüßte seinen Besitzer mit einem lauten Wiehern und gab dann einige Brummeltöne von sich, während Adhemar um ihn herum streifte und das gestriegelte Fell tätschelte. Er hob eines der Hinterläufe an und begutachtete die grandiose Arbeit des Hufschmieds. Der Schweif war eingefettet und auf eine Länge gekappt. Die Mähne schien frisch gekämmt und hing in mehrere Strähnen geflochten zur Seite herab. Das Pferd schien anmütig still zu halten und dem Betrachter die Möglichkeit zur Begutachtung zu geben. Als Adhemar aus dem Staunen heraus kam, wandte er sich Geron zu.
    „Ich weiss garnicht, wie ich dir danken soll. Ich kann es kaum erwarten, aufzusatteln und loszureiten. Sollte sich Graf Falber im Feld bewähren, würde ich ihn dir als Dank zum Decken der Stuten im Frühjahr vorbeibringen.“, bot der Rallerspforter an.
    Er legte seine Hand auf die Schulter von Geron und führte ihn aus dem Stall. „Komm, ich geb einen aus. Und wenn du soweit bist, dir meinen Vorschlag anzuhören, gehen wir irgendwo hin, wo es etwas ruhiger ist.“

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