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Mondschatten

Von Luthien am 29. Dezember 2017

Wildermark

Eine Lichtung in einem Wald am Fuße der Trollzacken, Anfang des Jahres 1033 BF
Dunkelheit hatte sich über Aventurien gesenkt, die Praiosscheibe war hinter dem Horizont versunken. Voll stand das Madamal am Himmel und tauchte die ganze Welt in silbriges Licht. Die Sterne drückten sich dahinter in das endlose Schwarz des Firmaments, vollumfänglich überstrahlt vom Licht des Mondes. Die Luft war lau. Der Wind ging in einer leichten Brise und brachte die Blätter der Bäume, die Zweige der Sträucher und die Halme des Grases zum Rascheln. Grillen zirpten; hin und wieder tönte der Ruf einer Eule durch das Gehölz.

Ein Mann stand auf der Lichtung und wartete. Er hatte seine langen schwarzen Haare nach hinten gebunden und trug betont dunkle Kleidung. In den den vielfachen, silbrig-glänzenden Zeichen mystischer Formgebung, die darauf eingestickt waren, spiegelten sich die Madastrahlen.
Seine Gesprächspartnerin verspätete sich. Sie hatten sich für heute Nacht verabredet, wenn das Madamal am höchsten stand. Doch diese Stunde war gekommen und gegangen. Und der Mann war noch immer allein. Er hakte seine Daumen unter den Gürtel, verlagerte sein Gewicht ein wenig auf die Fußballen und wartete noch etwas länger. Seine Geduld würde aber nicht ewig reichen.

Endlich vernahm er Schritte im Unterholz. Sofort lag seine Hand am Schwert. Doch ließ er schnell wieder davon ab, als er feststellte, dass es sich um ebenjene Frau handelte, mit der er hier verabredet war. Ihr Haar war kurz gehalten, grau und fahl. Sie zog ihr linkes Bein nach und stützte sich beim Gehen auf einen knorrigen Stock.
„Ihr kommt spät!“, stellte er vorwurfsvoll fest.
„Auf dem Weg gab es… Verzögerungen.“, erklärte sie mit einem spöttischen Lächeln, das ihre Augen nie erreichte. Irgendwo hinter sich hörte der Mann ein Schnauben, das man als „belustigt“ hätte beschreiben können. Wie hatte sich ihre Verstärkung so an ihn heranschleichen können?
„Und euer Wort haltet ihr auch nicht.“, ergänzte er in einem ruhigen Tonfall. Überrascht war er nicht. Er hatte damit gerechnet, dass sie sich gegen ihn absicherte. Und natürlich hatte er auch ihr nicht blind vertraut, sondern seine eigenen Vorkehrungen getroffen, für den Fall dass bei diesem Treffen etwas schief gehen sollte.
„Aber das hattet ihr auch gar nicht erwartet.“ Ihre Erwiderung war mehr Feststellung denn Frage.

„Ich habe über euren Vorschlag nachgedacht. Und… über euch.“ wechselte der Mann zum eigentlichen Thema ihrer Zusammenkunft. Er hatte sich lange genug die Beine in den Bauch gestanden. „Unsere Ziele sind verschieden. Euren kann ich nicht viel abgewinnen. Euren Fertigkeiten jedoch schon.“ Er nickte mit dem Kopf nach hinten, vage in Richtung ihres Gefolgsmannes, der dort im Hinterhalt lauerte. „Sie werden meine Methoden ausgezeichnet ergänzen.“
„Dann seid ihr einverstanden?“, hakte sie nach.
„Ja…“, setze er an.
„Ausgezeichnet!“ Sie klatschte in die Hände. „Die Götter werden…“
„Unter einer Bedingung.“, unterbracht er und hielt seinen rechten Zeigefinger in die Höhe. Sie runzelte die Stirn. „Es gibt da ein paar Personen, mit denen ich noch ein Gänschen zu rupfen habe.“ Er machte eine kurze Pause, doch außer einer hochgezogenen Braue zeigte sie keine Reaktion. „Ihr helft mir dabei.“
Sie schweig kurz. Dann sagte sie nur ein Wort: „Wer?“
„Ihre Namen kenne ich noch nicht. Aber sie nennen sich das ‚Quadrumvirat von Zweimühlen‘., klärte er sie auf.
„Zweimühlen?“ Sie schmunzelte. „Das kommt mir gelegen. Einverstanden! Mit einem kleinen Städtchen und vier einfachen Kriegsfürsten werden wir schon fertig.“
„Es sind aber nur noch drei übrig, einen habe ich bereits in die Niederhöllen geschickt.“ Ein dunkles Grimmen zog über sein Gesicht.
Aus dem Dunkel der Bäume hinter ihm war erneut ein Schnauben zu vernehmen.

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